Sarah Maria Opitz Illustration und Literatur
Sarah Maria OpitzIllustration und Literatur

Texte

Santorin, aus einem Vulkan geboren

 

Brausende Wellen klatschen gegen Gebirgsmassen. Mystisch ragen die düsteren Steilküsten aus dem Mittelmeer hervor. Vor 3.600 Jahren riss ein gigantischer Vulkanausbruch die griechische Berglandschaft entzwei und versenkte sie im Meer. Kraftvoll, kolossal und katastrophal. Übrig geblieben ist ein riesiger, von Meerwasser gefluteter Vulkankrater: die heutige ringförmige Inselgruppe Santorin etwa 100  Kilometer nördlich von Kreta. Die Kraterinseln Thira, Thirasia und Aspronisi kreisen die kargen Vulkaninseln Palea Kameni und Nea Kameni ein. Dunkel rötlich schimmern Riesen aus Vulkangestein auf bedrohlich wirkenden schwarzen Geröllbergen. Lautstarkes Möwengeschrei durchdringt die blaue Bucht. Den Blick die 260 Meter hohen Klippen hinaufwandernd, glitzert oben auf dem Kraterrand die weiße, wagemutig in Felswände gebaute Stadt Firá. Gespenstisch klaffen die kleinen, dunklen Fenster aus den verschachtelten, hellen Häusern wie leere Augenhöhlen hervor. Auf dem Gipfel thronend beobachten sie still das wirre Treiben, das Santorin wieder erfüllt. In dem von Menschen überfüllten Hafen rattern die Motoren der Touristenboote und Kreuzfahrtschiffe, die täglich anlegen. Schiffshupen tuten und dröhnen, Schiffsglocken läuten. Mitten in der dramatisch wirkenden Landschaft schlängeln sich hunderte von Menschen die schmale, labyrinthartige Gebirgsstrecke hoch nach Firá. Heiteres Lachen und fremde Stimmen verschiedener Sprachen ertönen durcheinander. Schritte klackern, schlurfen und trappeln die staubigen Treppenwege zwischen abgerundeten weißen Mauern entlang. Schnaubend schieben sich Eselskarawanen mühsam die Serpentinen hinauf. Die grauen Maultiere transportieren Lebensmittel, Gepäck und Touristen. Nicht selten müssen die sturen Tiere angetrieben werden und empören sich wiehernd über leichte Hiebe auf ihre Hinterteile. Das gleichmäßige Meeresrauschen und die Möwenrufe werden leiser. Es ist drückend heiß, Schatten gibt es keinen. Gerüche nach Stall und frischem Schweiß verbinden sich mit dem würzigen Duft trockener Sträucher. 566 steinige Stufen führen auf 300 Metern Höhenunterschied steil hinauf durch enge, verwinkelte Gassen. Mit Blumenranken bemalte Tontöpfe stehen in Hauseingängen. Erschöpfte Hunde faulenzen desinteressiert auf abgetretenen Treppenstufen und wackeln höchstens einmal kurz mit ihren Ohren. Palmen und pinkfarbene Blüten zieren die niedrigen Häuser, Mauern und Glockentürme. Durch deren gemauerte Rundbögen blitzen vorwitzige Sonnenstrahlen. Blaue Holztüren, Fensterrahmen und Kuppeln heben sich leuchtend von den mit Kalk gestrichenen Wänden ab. Von Hellweiß, über Beige bis Rosa reiht sich ein Häuschen an eine Terrasse, ein Treppchen, ein Türmchen. Dicht an dicht kleben Cafés, Souvenirläden mit Goldschmuck und Designerkleidung. Es duftet nach griechischem Essen, Gyros mit Pita, frischen Tomaten, Anis und Wein. Hier oben auf einer der zahlreichen Terrassen lässt sich die Hitze aushalten. Ein lauer Luftstrom wirbelt durch feine Windspiele und lässt die schlanken Metallzylinder angenehm bimmeln. Große Palmenblätter wedeln raschelnd aneinander und peitschen sanft gegen die weiße Mauer. Der Blick hinunter in den ultramarinblauen Kraterkessel ist beeindruckend. Miniatur-Kreuzfahrtschiffe ziehen weiße Linien ins Meer und setzen ihre Reise fort. Nichts ist mehr von der Hektik und Anstrengung zu spüren. Nur entfernt hört man Stimmengewirr, einen wiehernden Esel und leise Cello-Musik aus den Gassen klingen. Hinter den überwältigenden Landmassen senkt sich eine orange-gelbe Sonne ins Meer zu der versunkenen Stadt tief verborgen unter Santorin.

 

Sarah Maria Opitz

 

 

 

Abenteuerreise

 

Leise schlich sie sich auf nackten Füßen zu ihm und stupste ihn vorsichtig an. Er hatte sich ein Stündchen in sein Bett zurückgezogen, um seinen täglichen Mittagsschlaf zu halten. „Hugo...pscht...hey, wach auf!“, flüsterte sie in sein Ohr. Weiße Haare lugten struppig daraus hervor. Er sah friedlich aus, wackelte mit seinem Bart und öffnete ein Auge. „Ronja, was gibt´s denn jetzt so Wichtiges?“

 

„Pssscht, du musst aufstehen, die Mädels wollen los!!“ Aufgeregt zog sie an einer seiner grauen Haarsträhnen. „AUA!! Lass mich noch fünf Minuten dösen!“

 

„Dösen kannst du doch auch später im Park! Komm mit!“ Sie tippelte ungeduldig von einem Fuß auf den anderen und drehte sich um ihre eigene Achse. „Steh jetzt auf, Faulpelz! Ich will nach draußen! Es geht los, es geht los, komm!“

 

„Nur fünf Minuten...kein Stress hier, Kleene!“ Verschlafen streckte er seine nicht mehr jungen Beine und Arme von sich, gähnte herzlich und lauschte den vertrauten Stimmen im Nebenzimmer.

 

„Ich hab ihn geweheeeckt! Er steht jetzt auf! – Darf ich auch noch was Süßes haben, bevor wir gehen, Mini?“ quietschte Ronjas helles Stimmchen. Etwas raschelte.

 

„Der Dicke ffoll feinen Arsch jeff über fwingen!“, schmatze Mini. Krümel flogen ihr aus dem Mund. „Immer daffelbe mit dem alten Sack! Fir gehen einfaff ohne ihn!“

 

„Lass uns noch die fünf Minuten warten, ihr wisst wie er ist. – Ronja! Lass jetzt die Süßigkeiten in Ruhe und geh deinen Milchbart waschen“, erklang eine dritte Stimme.

 

„Ich hab ihn sogar am Haar gezogen. Voll mutig von mir, oder?“, quasselte die Jüngste von ihnen weiter. „Soll ich noch mal rüber? Ich könnte ihn rauskitzeln, das mach ich besonders gern. Darf ich?“

 

„Fei einfach ftill, Ronja und waff diff!“ Sie schluckte den Rest vom Nachtisch runter und pulte mit einem Finger zwischen den Zähnen. Gekämmt biste auch noch nich, oder?“

 

„Mannooo.“

 

„Und geh noch mal auf Klo! Nich, dass du unterwegs wieder musst!“ brüllte sie hinterher und suchte mit ihren Augen eine nächste Leckerei.

 

„Mini, du kannst ruhig mal etwas freundlicher zu der Kleinen sein, wir schaffen es schon noch rechtzeitig.“

 

„Hab extremen Hunger“, maulte Mini weiter. „Is ja nix Neues, dass wir um die Uhrzeit aufbrechen wollen! Ich geh schon mal zum Ausgang!“

 

Hugo schmunzelte. Die trommelnden Schritte von Mini entfernten sich. Während er gemütlich aus seinem Schlafzimmer schlurfte, rumorte und knallte es drüben. RUMMMMMS.

 

„Hoppla!“, ertönte Minis freche Stimme. Unschuldig grinsend saß sie, übergewichtig wie sie war, vor dem umgeschmissenen Blumentopf. „Auf geht´ff, Leuffe,“ und bewegte ihren trainierten Kiefer rhythmisch weiter. Wo auch immer sie schon wieder den Nachschub her hatte.

 

Gemeinsam spazierten sie geradewegs auf ihren Lieblingsplatz zu. Ein kleiner Park mit vielen gerade gewachsenen Bäumen und einer weichen, zu dieser Jahreszeit mit violetten Blumen bedeckten Wiese.

 

„Ohhh wie schööön“, flötete Hugo und sammelte etwas vom Boden auf, während sich Mini in die Blumenwiese plumpsen ließ.

 

„Ich will heute neben dir liegen, Mini, ja?“ brabbelte Ronja bereits wieder und stolperte übermütig über ihr langes Kleid. „Was sammelt der Hugo da? Sind das Blätter? Was sucht er denn dort auf dem Boden? Ist das...“

 

Tock Tock Tock...kliiirrr...knarzzzz...

 

Sie schreckten alle vier hoch. „OH NEIN! Schnell, rennt! Los, los, oh nein!! Hugo, lass die Krümel fallen! Renn! Versteck dich!“

 

Das Zweibein stand in der Tür und empörte sich laut. „Was ist denn hier los? Huuuugo!!! Karotti! Wen seh ich denn da unter dem Küchentisch?? Die kleine Ronja? Und Mini vorne weg, was? Seid ihr schon wieder ausgerissen?? Iiiihr kleinen Stinkis! Jetzt aber schnell!!“

 

16 tappelnde Füßchen flitzten über den flauschigen, violetten Teppich. Quietschend rutschten die vier Meerschweinchen über die Fliesen, an dem umgekippten Blumentopf vorbei und zurück in ihr abgegrenztes Gehege. Das Abenteuer war für heute vorbei. Aber morgen würden sie wieder losziehen und noch viel mehr erleben.  

 

Sarah Maria Opitz

 

 

 


 

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